Geniner Wunschdenken, Teil 1
11.10.10 09:00 von Andrea Keil 1 Kommentare
Gerne gehe ich auf die Anregung eines hiesigen Wirtschaftskenners und lübeckmarketing.de-Nutzers ein, nutze die Gelegenheit des guten, sonnigen Wetters, sattle meinen Packesel mit Luftpumpe und Proviant und fahre mitten in der Woche „hinab“ ins Gewerbegebiet Genin. Jeder ist schon mal da gewesen. Und niemand weiß, wie er hingefunden hat. Schon auf dem Heimweg hat er wieder vergessen, wo sich die nach großer Industrie klingenden Straßen „Zeiß“, „Krupp“ und „Borsig“ befinden. Oder die eher nach kleiner Gartenlaube anmutenden, wie „Kaninchenborn“ und „Hinter den Kirschkaten“, in deren Straßen weder Kaninchen laufen, noch Kirschbäume wachsen, noch Katen stehen.
Ach ja, bevor ich losgeradelt war, hatte ich natürlich den Computer angeschmissen und mir dort alle erdenklichen Informationen aus und über Lübeck Genin durchgelesen. Hatte erfahren, dass im Gewerbegebiet an die 5000 Menschen in 400 Betrieben einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro – einer Milliarde! – erarbeiten; von dem Wunsch der Geniner Unternehmer, ihr Gebiet attraktiver und bekannter in Stadt und Region zu machen; sich wie die kleinen Läden in der altstädtischen Hüxstraße in einem Verein zusammenzuschließen, zu vernetzen, um dann vermutlich ein paar kleine Milliönchen mehr zu erwirtschaften. Der Vereinsvorsitzende Reiner Kunkel hat anscheinend in den letzten Jahren versucht, eine gemeinsame Identität mit Sprüchen wie „Wir sind wer“ (Ja, und wer?) zu bilden. Und Walter Hollender, einer der Hüxstraßen-Konzeptionisten, soll neulich den Geninern auf einer Sitzung den schmissigen Kennedy-Nachbau-Spruch „Ich bin ein Geniner“ geschenkt haben. Nun: Es wäre schön, wenn man die Aussage noch mit Inhalt füllen könnte. Wie die Internet-Bilder vom ersten gemeinsamen Aktionstag: Man sieht Plastikspielgerät, aber kein „Wir“ und kein „wer“.
Die Internetseite genin-luebeck.de ist leider auch nicht so aktuell. Haben die vielen mittel- und größerständischen Unternehmen denn nichts Interessantes zu berichten? Müssen es denn immer nervige Aktionstage mit Luftballons und Hüpfburgen sein, aus denen man lieber die Luft rauslassen würde? Gibt’s auch Mal was Originelles, bei dem der Erkundende die Luft anhält?! Da sollten wir doch noch was finden...
Um nach Genin zu gelangen, hänge ich übrigens meine Nase in die Luft, in der Hoffnung, dass mich der würzige Suppenduft von, na, Sie wissen schon, leiten wird. Aber davon demnächst mehr an dieser Stelle.


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Ein interessanter und witziger Text! Beim Lesen konnte ich immer nur begeistert nicken: Ja, ja, jaa! Bin gespannt, was in Genin noch zu entdecken ist, und freue mich auf die Fortsetzung...
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